Stadtgrün

In Deutschland leben rund 75 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Städten. Für sie bilden Parks, Wälder, Grünzüge und Bäume einen entscheidenden Bestandteil ihrer Lebensqualität. Grün- und Freiflächen im Siedlungsbereich sorgen nicht nur für saubere Luft und kühlere Temperaturen an heißen Sommertagen. Sie spielen auch eine bedeutende Rolle für Erholung und Naturerfahrung im unmittelbaren Lebensumfeld der Menschen.

Aufgrund der intensiven Landnutzung in der freien Flur stellen naturnahe, innerstädtische Grünflächen für viele Pflanzen heute wichtige Ersatzlebensräume dar. Ihnen folgen zum Beispiel Schmetterlings- und Wildbienenarten, die sie als Nahrungsquelle nutzen. Selbst in dichter besiedelten Räumen und Großstädten finden sich artenreiche Grünflächen.

Wir Menschen brauchen Grün in unserem unmittelbaren Lebensumfeld. Wenn wir dieses Grün zudem auch naturnah gestalten, profitieren davon zahlreiche Tier- und Pflanzenarten
– eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Sechs Argumente für eine naturnahe Grünflächengestaltung

Stadtnatur bedeutet Lebensqualität und Wohlbefinden

Allein die Existenz von Grünflächen im unmittelbaren Lebensumfeld hat positive Auswirkungen auf das menschliche Wohlbefinden. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Gesundheit und Zufriedenheit von Menschen höher ist, wenn sie näher an Grünflächen leben[1]. Strukturreiche, eher naturnahe Flächen werden dabei monotonen Lebensräumen vorgezogen[2]. Die positiven Effekte auf das psychische Wohlergehen werden durch hohen Artenreichtum noch verstärkt[3].

Kinder brauchen Stadtnatur

Naturnahe Grünflächen im Siedlungsbereich sind wichtig für eine gesunde Entwicklung von Kindern. Hier können sie ihren Drang nach Entdeckung und Abenteuer ausleben sowie heimische Pflanzen und Tiere beobachten. Schulkinder, die Zugang zu oder auch nur Sicht auf eine naturnahe Umwelt haben, zeigen zudem höhere Aufmerksamkeitswerte[4]. Gerade Familien, die sich keinen eigenen Garten oder regelmäßige Ausflüge ins Stadtumland leisten können, sind somit auf naturnahe Grünflächen im unmittelbaren Lebensumfeld angewiesen.

Naturnahe Grünflächen entlasten den Haushalt

Kommunen wie die Stadt Bad Saulgau haben es gezeigt: Eine naturnahe Grünflächengestaltung kann sich auch finanziell rechnen. Durch die Reduzierung der Mahd, den Verzicht auf Dünger und Pestizide und die Verwendung mehrjähriger, heimischer Stauden können Pflegekosten reduziert werden. Zwar liegen die Herstellungskosten mitunter über jenen konventionell gestalteter Flächen, diese amortisieren sich jedoch in der Regel schnell.

Heimische Arten sind Nahrungsquelle für Vögel und Insekten

Geringer Aufwand, großer Ertrag. Bereits kleine, kostengünstige Maßnahmen, wie die Verwendung heimischer Arten bei der Neuanlage von Hecken, können große Effekte für den Erhalt der biologischen Vielfalt bewirken. So dienen die Früchte der heimischen Vogelbeere über 60 Vogelarten als Nahrungsquelle. Exotische Sträucher sind für die heimische Fauna hingegen nahezu wertlos. Die Früchte der beliebten Forsythie werden beispielsweise von nur einem einzigen Vogel genutzt.[5]

Naturnahe Grünflächen schaffen Mehrwert für Mensch und Natur

Ob Hochwasserschutz, Klimawandelanpassung, Lärmminderung oder Frischluftversorgung, wir profitieren in vielerlei Hinsicht von Stadtnatur. Straßenbäume filtern zum Beispiel Schadstoffe aus der Luft und tragen durch Verdunstung und Beschattung zur Kühlung umliegender Bereiche bei. Werden im Straßenbegleitgrün zudem arten- und strukturreiche Wiesen angelegt, verstärken sich diese Effekte noch[6]. Wer naturnahes Grün im Siedlungsbereich fördert, schafft somit Mehrwert für Mensch und Natur.

Städtisches Grün im Fokus der Bundespolitik

Auf bundespolitischer Ebene gibt es mittlerweile zahlreiche Initiativen zum Thema biologische Vielfalt. Im Jahr 2007 verabschiedete die Bundesregierung die Nationale Biodiversitätsstrategie, 2016 folgte die Naturschutzoffensive 2020 und 2017 das Weißbuch Grün in der Stadt. In allen Dokumenten werden Ziele zur naturnahen Grünflächengestaltung formuliert und durch konkrete Maßnahmen vor Ort können Kommunen zu deren Umsetzung beitragen. Hierzu stehen auch öffentliche Fördermittel unter "Zukunft Stadtgrün" oder "Soziale Stadt" bereit. Für größere, bundesweit relevante und innovative Projekte bestehen Fördermöglichkeiten im Bundesprogramm Biologische Vielfalt.